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Unsere erste Mehrtages-Tour in 2002 hat uns in
den nord-östlichen Teil unserer Republik geführt. Wir sind 1.550 km durch
Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und
wieder zurück nach Nordrhein-Westfalen gefahren.
Gemeinsamer
Startpunkt war in Kirchlengern. Von dort ging es über Celle, Wolfsburg
nach Gardelegen, unserer 1. Station. Der 2. Tag führte uns über
Tangermünde, Havelberg, Schloß Rheinsberg in die JH Prebelow.. Der
folgende Tag begann mit einem Halt in Neustrelitz und einer Bootsfahrt auf
dem Kammerkanal. Von dort aus ging es weiter über einen Halt in Waren bis
nach Plau. Der nächste Tag führte uns über Bad Wilsnack, dem
Storchendorf Rühstedt bis nach Perleberg.
Am 5. Tag ging es über Ludwigslust, Ratzeburg, Travemünde nach Schabeutz
an die Ostsee. Der vorletzte Tag führte uns über Mölln, Lauenburg,
Lüneburg nach Rotenburg (Wümme). Hier hatten wir nun unsere letzte
Übernachtung. Die letzte Fahrtstrecke ging über Nienburg, Minden
(Schachtschleuse) in die heimatlichen Garagen.
Wir, das waren Dieter H. , Dieter N. ,
Jochen, Margarete, Wilhelm und Thomas. Somit sind genau insgesamt 339 Jahre und 900 ccm
unterwegs gewesen. Das wichtigste war, dass wir ohne Blessuren unsere Tour beenden
konnten. Auch unsere Moppeds haben uns nicht in Stich gelassen, ein Sicherungsausfall war
in ein paar Minuten behoben. Unsere vorgebuchten Unterkünfte waren mit einer Ausnahme
Jugendherbergen, ein Novum bei den Mehrtages-Touren. Am 3. Mai, dem Vorabend der Tour,
waren bereits alle Taschen und Rollen gepackt und jeder hat gebannt den Wetterbericht
betrachtet. Auch die größten Optimisten hatten jedoch keine gute Vorahnung!
Der erste Tag
(ein
nicht ganz repräsentativer Tag)
Warum habe ich gestern den Bock nur gewaschen und poliert? Also Kombi an,
Ganzkörperkondom drüber und ab geht die Post von Gütersloh in Richtung Bielefeld. Nach
10 Seemeilen warteten dort bereits 2 Gummi-Männer, Dieter N. und Wilhelm
darauf, endlich mal eine Gischtfontaine zu erzeugen. Wilhelm sah mit seinen gelben
Handschuhen sehr vornehm aus, die er leider im nächsten Moppedshop gegen ein paar
öde Schwarze austauschte. Nachdem wir Jochen in Enger eingereiht hatten, gings ab
nach Kirchlengern, wo wir sehnlichst von Margarete und Dieter H. erwartet wurden, denn sie
wollten nun auch unbedingt ihre Regenklamotten ausprobieren. Wir haben sie nicht lange auf
die Folter gespannt und sind gleich losgefahren. Bis Bad Nenndorf auf der Landstrasse,
dann ab auf die A2, um mal zu sehen, was Lkw für eine Wasserverdrängung haben. Das ging
eigentlich ganz gut, wir fuhren unsere ca. 90 Knoten, bis mit einem Mal die Autobahn bei
Kaltenweide weg war. Macht nichts, denn wir wollten an dieser Abfahrt sowieso runter.
Die erste Pause war angesagt, denn ein Café bat uns etwas gegen die zu geringe
Luftfeuchtigkeit im Innern zu tun. Nachdem der Cappuccino getrunken war, waren unsere
Klamotten für die nächste Feuchtigkeitsaufnahme vorbereitet. Wir konnten uns auf das
Wetter verlassen, es blieb nass. Nur beim Mittagessen in Celle war es trocken, denn der
Wirt hatte ein dichtes Dach. Dafür hatte es der Koch wohl eilig Feierabend zu machen,
denn die Kartoffeln waren noch etwas hart (wahrscheinlich festkochend?). Wären wir
letztes Jahr um die gleich Zeit gefahren, hätten wir in dem wunderschönen Gartenlokal
bei 25° C und Sonnenschein gesessen. Vielleicht wieder beim nächsten Mal, wenn wir den
geplanten Gang durch die schöne Celler Altstadt nachholen. Als wir abfuhren, keimte
Hoffnung in uns auf, denn es tröpfelte nur noch. Nach ca. 20 km hörte das endlich auf,
und wir konnten wieder wie gewohnt im Regen fahren. Jetzt gab es für Wilhelm kein Halten
mehr, er tunte seine Daelim und wir liessen Orte wie Gifhorn, Wolfsburg, Marienborn und,
und ..... rechts oder links liegen. Den nächsten Halt gab es dann für uns, weil bei
Jochen und Wilhelm die Lungen so laut rasselten, dass selbst Dieter H's sonorer Auspuffton
nicht mehr zu hören war. Die beiden gingen in einen am Wegesrand aufgestellten
Rauchersalon (Wartehäuschen) und ließen uns im Regen stehen,...... schöne Kumpels! Aber
nach ein paar Kilometern lag auf der linken Seite in dem weltberühmten Ort (Namen habe
ich vergessen) das Café von Anny , oder so ähnlich. Der neuerliche Halt entlockte Dieter
H. Freudenschreie, weil er nun die neuesten Wasserstandsmeldungen aus seinen Stiefeln
hören konnte.
Da wir nun den Weg bis hier her gefunden hatten, aber noch nicht das Ziel, machte ich mich
alleine auf die letzten 30 km, um als Voraustrupp die JH Gardelegen auf unsere Ankunft
vorzubereiten. Dabei lernte ich die nasse und trostlose Peripherie von Gardelegen kennen,
weil ein Witzbold, oder der Holzbock ca. 200 m vor dem Ziel den Wegweiser etwas gedreht
hatte. In der Ehemaligen konnte mal sehr gute Betonplattenwege bauen, wie ich auf dem Hin
und Rückweg feststellte. Aber endlich erreichte ich mit Müh und Not den Hof, doch
der schien tot. Ein einsames Fahrrad stand da, kurz darauf erschien auch sein Besitzer,
der ebenfalls um Obdach bitten wollte (armer Kerl, ist heute von Hamburg bis hier her
gestrampelt). Es öffnete uns der Herbergsvater ach nee, es war ein Zivi, der
bereits auf eine lange Erfahrung von 2 Tagen Einsatz zurückblicken konnte, nett aber
ahnungslos. Ich packte mein Handy aus der Plastiktüte aus und versuchte 23 mal Jochen zu
erreichen, um den Weg zu beschreiben. Leider hatte ich das irreführende Schild nicht
erwähnt.......
Inzwischen hatte ich mich umgeblickt, Schlüssel und Bettwäsche empfangen. Gedränge und
Anstehen gab es dabei nicht, denn mit dem Radfahrer waren wir nun 7 Gäste, nachdem der
Rest der Crew eingetroffen war. Wir bezogen unsere Suiten der JH Kategorie 1.
Gewendet hatte sich hier offensichtlich nur der sanitäre Bereich. Die heisse Dusche
gehörte Dieter H., nachdem er seinem Swimmingpool, ich meine seinen Stiefeln entstiegen
war. Zu Otto Reuters Zeiten, dem diese Villa gehörte, gab es bestimmt auch Speisen und
Getränke, für uns Fehlanzeige. Zwar stand im riesigen Entree und Treppenhaus ein
Colaautomat, aber den mochten wir nicht benutzen, weil wir den Ausfall nicht provozieren
wollten. Er schien nämlich die einzigste (Not)Beleuchtung in dieser Räumlichkeit zu
sein.
Dank Handy wurde ein Großraumtaxi angeheuert, die Chefin fuhr selbst. Auf unsere Fragen
wurden uns vom Puff bis zum Deutschen Haus alles angeboten. Wir haben das
Speisen im Deutschen Haus vorgezogen, denn der Ritt nach 300 km reichte. Ausnahmsweise
hatten wir einen Hausschlüssel und Ausgang bis zum Wecken bekommen. Das
hätten wir auch bald
nötig gehabt, weil es dann bereits hell gewesen wäre. Wir hätten dann einfacher den
Hintereingang finden können, so musste wir ihn mangels Beleuchtung ertasten. Schnell ging
es ab in die Betten, 3 unten, 2 oben, nur Margarete musste ohne Nebengeräusche
einschlafen, denn sie hatte ja leider nur ein Einzelzimmer.
Thomas, Juni 2002 |